Urlaub mit Freunden – ein gelungenes Experiment

Jun 30, 2019

Sechs Freunde,
zwei Wochen,
ein Boot und ein Haus

Sechs Freunde,
zwei Wochen,
ein Boot und ein Haus

In meinem Reisepass stünde „Individualreisende“, gäbe es dafür einen offiziellen Eintrag. Ich brauche die Freiheit, selbst zu entscheiden, wann ich wo sein möchte, in welches Lokal ich gehe und welche Sehenswürdigkeiten auf dem Plan stehen. Gruppenreisen sind daher eher nicht mein Ding. Im Pulk hinter einem Reiseleiter herzutrotten, in vorgebuchten Restaurants mal mehr, mal weniger gut zu essen und „authentische“ Folkloreveranstaltungen zu beklatschen, ist nicht meine Idee einer gelungenen Reise. Ja, ich weiß, ich bediene hier ein Klischee. Trotzdem sind mir das zu viele Kompromisse und zu wenig Individualität. Darum ist der Urlaub mit Freunden, den wir gerade machen für mich auch ein echtes Abenteuer und ein kleines Experiment. Wird es gut gehen?

 

Sechs Freunde, zwei Wochen, ein Boot und ein Haus

 

Denn ist ein Urlaub zu sechst mit meinem Mann und vier Freunden nicht genau das: eine Gruppenreise? Wenn auch eine ganz besondere? Sechs Freunde, sechs  unterschiedliche Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten und unterschiedlichen Bedürfnissen verbringen insgesamt zwei Wochen auf Sizilien. Ich habe mich sehr auf diese Reise gefreut, war aber auch ein bisschen skeptisch (schließlich habe ich so etwas das letzte Mal während meines Studiums gemacht). Werden wir uns verstehen? Können wir Kompromisse schließen? Um welche Erfahrungen werden wir am Ende dieser Reise reicher sein?

Urlaub mit Freunden

Die erste Woche ist vorüber. Wir haben sie auf einem Segelboot verbracht und die Liparischen Inseln bereist. Es war eine Woche voller besonderer Momente. Wir haben neue Inseln für uns entdeckt, jede mit einem ganz besonderen Flair. Wir standen am Krater eines Vulkans, haben mit schwierigen Anlegemanövern und fast unerträglicher Hitze zu kämpfen gehabt. Ich musste die Enttäuschung verdauen, in Stromboli nicht den Vulkan spucken zu sehen (wir konnten nur auf der „falschen“ Seite der Insel ankern).

Das schönste Erlebnis war aber die Erkenntnis, dass wir es hinbekommen, diesen „Gruppenurlaub mit Freunden“. Und zwar ziemlich gut!

Toleranz als A und O

 

 

Vor zehn Jahren haben wir uns beim Segeln kennengelernt und treffen uns seither regelmäßig. Wir feiern Feste zusammen, Geburtstage und Hochzeiten und gehen auf dem Starnberger See zum Segeln. Wir tauschen uns aus und schätzen uns sehr. Aber für so lange Zeit waren wir noch nie gemeinsam unterwegs. Und auf dem engen Raum eines Segelboots lernt man sich noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennen.

„Ich bin an Bord gegangen und habe einen Teil meiner Persönlichkeit an Land gelassen. In so einer Gruppe ist Toleranz das A und O.“

sagt Bernd, als ich ihn frage, wie er unser erste Woche empfunden hat. Ich gebe ihm recht. Außerdem ist eine klare Kommunikation sehr hilfreich. Nur wenn ich die Bedürfnisse des anderen kenne, kann ich sie auch berücksichtigen. Soweit so gut. Nur so am Rande: Für mich Individualreisende war besonders der erste Punkt eine lehrreiche Erfahrung. Ein bisschen muss ich an meiner Toleranz noch üben *räusper*

Reisen mit Freunden ist anders als Urlaub mit der Familie

 

Jeder kennt die Urlaube mit der eigenen Familie. Mamma, Papa und die Kinder. Vielleicht kommt auch noch Tante Erna und Onkel Horst mit. Oder gar die Schwiegermutter. Das ist dann eine (hoffentlich) schöne gemeinsame Familienzeit. Jeder hat seine Rolle. Die ändert sich auch nicht am Timmendorfer Strand oder am Gardasee: Mamma ist Mamma, Papa ist Papa und Tante Erna … ja die ist eben Tante Erna. Ist so, oder?

Bei sechs Freunden, die vorher noch nie so lange gemeinsam zusammen waren, ist das ein bisschen anders. Jeder muss seine Rolle erst einmal finden und vielleicht sogar eine völlig andere einnehmen, als im Alltag. Und genau diese Dynamik ist das Spannende.

Urlaub mit Freunden – ein Experiment für mich

 

Das Experiment „Gemeinsamer Urlaub mit Freunden“ ist für mich ein Erfolg. Denn es ist das Leben pur. Es hat mich hineinkatapultiert in den Kosmos einer „Großfamilie“ (allein diese Mengen beim Einkaufen haben mich umgehauen).  Und egal, wie lange es auch gedauert hat, wir haben uns am Ende auch immer geeinigt, wie wir wo was machen.

Am spannendsten fand ich aber unsere Diskussionen zu den verschiedensten Themen. Wir bringen alle unsere eigenen Geschichten mit, unsere Erfahrungen, unser Wissen und unsere Ansichten. Fernab des normalen Alltags haben wir Zeit und Muße, viel tiefer in die Gespräche einzusteigen, als wir das gewöhnlich tun können. Dabei geht es durchaus schon mal hitzig zu. Aber es ist vor allem eines: berührend und bereichernd.

 

Urlaub mit Freunden – ein echter Gewinn

 

Nachdem wir eine Woche auf ziemlich engen Raum auf dem Boot verbracht haben und jetzt in unserem schicken Ferienhaus sind, macht jeder erst einmal seins. Ein bisschen Abstand, ein bisschen Rückzug. Die einen lesen, die anderen hören Musik, ich schreibe. Nichts muss, alles kann. Ein wunderbares Gefühl. Ich freue mich schon jetzt auf das Essen heute Abend, wenn wir alle wieder um den großen Tisch sitzen und reden, lachen und diskutieren.

Ich komme von dieser Reise verändert zurück, denn ich habe mich wieder ein Stückchen besser kennengelernt. Genau wie meine Freunde. Und ich bin ziemlich sicher, es wird nicht der letzte Urlaub dieser Art sein. Gruppenreise hin, Gruppenreise her …

Hast Du in letzter Zeit auch schon einmal Urlaub in einer größeren Gruppe mit Freunden gemacht? Ich bin gespannt auf Deine Erfahrungen.

Sonnige Grüße aus der Urlaubs-WG

Martina

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